Grem-Schüler werden zu „Zweitzeugen"

Die Schüler der Jahrgangsstufe 9 durften an einer ganz besonderen Geschichtsstunde teilnehmen, als sie am Mittwoch im Gespräch mit der Zeitzeugin Eva Weyl deren Überlebensgeschichte des Holocaust erfuhren.

Gebannt hörten die Schüler die besondere Geschichte von Eva Weyl und ihrer vom Niederrhein stammenden Familie, die von 1942 bis 1945 in einem Durchgangslager für Juden in den Niederlanden interniert war.
Geflohen, um dem Nazi-Regime zu entkommen, war die Familie mit Einmarsch der deutschen Truppen im Durchgangslager in Westerbork nahe der deutschen Grenze untergebracht. Als Sechsjährige erlebte Weyl hier eine scheinbar normale Kindheit, beschützt von ihren Eltern. Doch heute weiß sie: Diese Normalität war ein „trügerischer Schein", den der Lagerkommandant Albert Gemmeker mit allerhand Aufwand betrieb: Theateraufführungen, ein Krankenhaus, eine Schule, ausreichend Nahrung. Sogar kranken Kleinkindern ermöglichte er eine medizinische Versorgung, nur um möglichst alle Insassen „transportfähig" zu machen und sie damit in den sicheren Tod in eines der Konzentrationslager im „Osten" zu schicken. So wurden insgesamt 107.000 Menschen bis 1945 in 93 Zügen nach Theresienstadt und Bergen-Belsen und in die Vernichtungslager Auschwitz, Treblinka und Sobibor deportiert.
Weyls Geschichte unterscheidet sich von so vielen anderen Schicksalen zur Zeit des Holocaust, denn sie hat ein Happy End. „Dass ich heute hier stehe, ist ein Wunder", sagt sie. Denn ihre Familie schaffte es drei Mal, dem Transport zu entgehen - durch Glück, Zufall und einen Bombenangriff.
Jetzt hat sie es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ihre Geschichte weiterzugeben und motiviert die Schüler „Zweitzeugen" zu werden: „Ihr müsst das weitergeben, ihr seid meine Zeugen". Doch nicht nur Weyls Engagement an Schulen ist bewundernswert, auch ihr Optimismus und der Glaube an das Gute im Menschen: „Hört auf euer Herz", appelliert sie an die Schüler, „ihr habt keine Schuld am Vergangenen, aber ihr seid verantwortlich für die Zukunft, dass so etwas nie wieder passiert". | Juliane Bensch